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Holzleisten biegen

Ab einer bestimmten Krümmung, z.B. beim Beplanken im Bugbereich eines Rumpfes, ist das Vorbiegen der Planken unerlässlich. Einerseits möchte man einen übermäßigen Materialverbrauch durch ständiges Brechen der Leisten vermeiden, andererseits die auch bei geringen Abmessungen teilweise erheblichen Spannungen aus dem Holz nehmen, um ein mögliches Verziehen des Rumpf während der Beplankung zu vermeiden.

Hier gibt es die abenteuerlichsten Geschichten - stunden- oder gar tagelanges Wässern oder bis hin zum Kochen.

Schon ein wenig Feuchtigkeit genügt, dass dem Holz quasi die "Haare" zu Berge stehen, bei wesentlich längerer Wässerung quillt das Holz derart auf, dass mit einem erheblichen Volumenzuwachs zu rechnen ist, der ein sofortiges Weiterarbeiten unmöglich macht.

Die Zellwände bestehen zu einem erheblichen Teil aus Zellulose, ein Polysaccharid und das besteht wiederum aus tausenden Glucose-Molekülen, was letztendlich nichts anderes als Traubenzucker ist. Und Zucker ist nun einmal in hohem Maße wasserlöslich. Demzufolge ist eine zu lange Wässerung eher schädlich und es kommt erst recht zum Bruch.

Und Kochen? Ich will das Holz ja nicht essen. Sicherlich wird fast jeder (biologische) Stoff durch Kochen weich, aber letztendlich geht damit auch immer einen Zerstörung der inneren Struktur einher - das ist so bei der Kartoffel und ist bei Holz nicht anders.

Weniger ist mehr - in Modellbaudimension gedacht, kurzzeitiges Anfeuchten mit wenig Flüssigkeit in Verbindung mit Wärme, so werden viele Holzarten für einen kurzen Moment wunderbar geschmeidig und können in wenigen Augenblicken in fast jede gewünschte Form gebracht werden - je mehr Wärme, um so besser.

Früher habe ich Leisten gedämpft - einen Teekessel mit Wasser zum Kochen gebracht, die Leisten eine kleine Weile in den durch die kleine Tülle austretenden Wasserdampf gehalten und die Rundungen des Kessel gleichzeitig zur Formgebung und Trocknung genutzt. War allerdings nicht immer angenehm und ich habe mir das eine oder andere Mal die Finger am heißen Dampf oder Kessel verbrannt.

Was passiert

Die Feuchtigkeit dringt lediglich in die Zellen der oberen Holzschicht ein, wobei die geringe Menge an Flüssigkeit nicht ausreicht, um in tiefere Region vorzudringen.

Durch die zusätzliche Zuführung von Wärme erreicht man eine ausreichende Elastizität, sodass eine genügende Streckung der Holzzellen an der Außenseite ohne nennenswerte Zerstörung der Zellwände erreicht wird. Die Stauchung der Zellen an der Innenseite dagegen ist wesentlich unproblematischer.

Durch die Wärmezufuhr verflüchtige die Flüssigkeit recht schnell, die Zellwände stabilisieren sich und die Leiste behält die gebogene Form. Würde Leiste jetzt angefeuchtet werden, würde sie fast wieder ihre ursprünglicher gerade Form erhalten.

Das Biegesystem erfüllt genau diese Bedingung und ist wirklich gut durchdacht.

Zum Biegesystem gehört der Plankenbieger und eine Form-/Biegespitze. Das System ist komplett mit Lötkolben oder einzeln erhältlich.

Vorsicht

Die Formstücke werden recht heißt. Der Messingstift hat aber eine ausreichende Länge, sodass man die Temperatur des Formkörpers durch Verschieben im Lötkolben steuern kann.


Plankenbieger

Im Formkörper ist ein Messingstift eingearbeitet, der einfach in einen handelsüblichen Lötkolben gesteckt wird.

Nach kurzer Aufwärmphase wird das zu biegende Ende der Leiste lediglich kurz in ein Wasserbad getaucht und mit etwas Gefühl der Außenseiten des Formkörpers angepasst. Man benötigt nicht viel Druck - man merkt es, wenn die Leiste weich wird - sie formt sich quasi von allein.

Die Leiste wieder vom Formkörper entfernen, Biegeradius prüfen und ggf. einfach noch einmal befeuchten und nachbiegen.

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Form-/Biegespitze

Holzleisten biegen

Dieser runde Lötkolbenaufsatz hat verschiedene zylindrische Abstufen und es können damit erheblich engere Radien ohne Leistenbruch gebogen werden, allerdings muss je nach Abmessungen und Härte des Holzes mehrfach "nachgefeuchtet" werden.

Bis zu einer Materialdicke von 1 mm ist das Biegen meistens unproblematisch, ab 2 mm ist hier die Grenze erreicht,

Je enger der Biegeradius, um so mehr Geduld muss mitgebracht werden, aber es ist erstaunlich, was möglich ist.

Sehr gut auch die angeschrägte Spitze, mit der ist eine direkte Anpassung der Leiste auf den zu beklebenden Werkstück und sogar das "Aufbügeln" der Leiste in Verbindung mit Holzleim möglich.

Spezialfall "hohe Kante"

Während sich Querbiegungen, z.B. am Bug, eher unproblematisch gestalten, ist die Längsbiegung über die "hohe Kante" bei der Rumpfbeplankung etwas tricky, aber bis zu einem gewissen Punkt lösbar.

Auch hierfür kann der Aufsatz der Formspitze genutzt werden. Man drückt die angefeuchtete Leiste gegen einen vorhergehenden Plankengang und streicht mit dem o.g. angeschrägten Ende wie mit einem Bügeleisen auf der Leiste hin und her.

Die Wärme und der Wasserdampf macht die Leiste geschmeidig und bringt sie in Form, die Planke lässt sich dann fast ohne Restspannung am Rumpf verkleben.

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Eine etwas stärke Biegung über die "hohe Kante" ist der sog. S-Schlag, bei Plankenverläufen an völligen Rumpfabschnitten.

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