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Rahen der Fregatte Berlin

Zur Unterstützung bei der Zusammenstellung der Rahen habe ich mir einen Spieren-Rechner auf Basis der Angaben aus MF als Excel-Datei erstellt, musste jedoch feststellen, dass die Daten nur bedingt genutzt werden können. Sie beziehen sich zwar auf verschiedene Zeitepochen, ließen sich jedoch nicht in BP reproduzieren.

Die Rahen habe ich dann letztendlich von BP übernommen und mit Informationen von AT modifiziert und Ausführung am Museumsmodell der William Rex neu gezeichnet. Weitere Informationen zur Detaillierung finden sich in MF 248/251/284, MS 51/52 und SK 81.

Da die Segel inkl. Liektau schon vorher komplett fertiggestellt wurden, habe ich die Länge des Rahkorpus (ohne Nock) an die jeweilige Länge des Kopflieks des Segels inkl. gestrecktem Nocklegel angepasst, um nachträgliche Fertigungstoleranzen der Segel kompensieren zu können.

Für Korrekturen der Abmessungen habe ich die Zeichnung der Rahen ausgedruckt und die Segel auf einer Pinnwand auf dem Ausdruck mit Stecknadeln fixiert.

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Die von mir verwendeten Abmessungen für die Rahen:

L ohne Nock Lüa Ø Mitte Ø Ende Ø Nock
Blinde 150 162 4,2 2,6 1,9
Oberblinde 76  88 2,4 1,7 0,9
Fock 200 217 5,8 3,9 2,1
Leesegelspiere 86 1,7
Vormars 122 130 3,3 2 1,3
Vorbram 70 78 2,5 1,9 1,2
Groß 246 268 6,6 4,1 2,5
Leesegelspiere 106 2,1
Großmars 142 154 3,7 2,6 1,8
Großbram 73 82  2,4 1,7 1,1
Besanrute 225 241 4,5 2,4 1,8

Rahkorpus

Die Rahen sind aus Raminholz und werden mit der Drechselbank angefertigt.

Besanrute und Unterrahen ließen sich noch gut mit dem Drechseleisen bearbeiten. Die dünneren Mars- und Bramrahen sowie Blinde und Oberblinde wurden ausschließlich geschliffen. Dafür habe ich mir ein Stück Sperrholz mit Schleifleinen beklebt, ein Sperrholzbrettchen auf die Werkzeugführung der Drechselbank gelegt und die Rah dann mit dem Schleifbrett nach außen verjüngt.

Zuerst wurde immer die Hälfte einer Seite vom Rahkorpus bearbeitet, dann umgespannt, um die andere Seite abzuschleifen. Abschließend wechselseitig die verjüngten Enden eingespannt, um das Mittelteil der Rah nach außen fließend zu schleifen.

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Nocken

Die Nocken, die das Hineinrutschen der am äußeren Ende der Rah angebrachten Taue verhindern, habe ich vorsichtig mit der Schlüsselfeile und einem Streifen Schleifleinen abgeschliffen. Bei dem weichen Raminholz ist mir doch die eine oder andere abgebrochen. Nach MS hatten sie ein Länge von 0,04 bis 0,05 der Länge des Rahkorpus und einen Durchmesser von 0,4 des Rahdurchmessers.

Zum Schluss dann am Tellerschleifer auf Maß gekürzt und abgerundet.

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Rahklampe

Um ein seitliches Verrutschen des späteren Fallen und Racktaue zu vermeiden, wurden an der Vorderseite der Rahen Klampen aufgesetzt.

Die Klampe wird aus einem Brettchen ausgefräst, das zuerst auf die notwendige Dicke abgefräst wurde. Für das Imitat der Haltebolzen Dübel mit 0,5 mm Durchmesser gezogen und die Außenseiten verjüngt.

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Entsprechend den Ausführungen am Museumsmodell der William Rex haben die Klampen an den Unterrahen ein offenes Mittelteil, während alle anderen Rahen geschlossene Ausführungen haben. Nach MS 52 betrug die ganze Länge 0,1 bis 0,13 der Rahlänge und die Stärke 0,25 des Rahdurchmesser.

Die Klampe wurde im Ganzen aufgeklebt und erst anschließend "geöffnet". So stehen beide Teile sauber in einer Flucht.

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Leesegelspieren

An der Hinterseite der Unterrahen sind jeweils zwei Leesegelspieren befestigt. Nach MS 52 haben sie eine Länge von 0,3 bis 0,4 der Rahlänge und einen Durchmesser von 0,2 ihrer Länge.

Da diese Rundhölzer über die komplette Länge denselben Durchmesser haben, wurde wieder wie bei den Rahen mit der Brettchen-Schleifmethode gearbeitet. Bei jedoch gerade mal 1,7 mm Durchmesser sind mir einige der Spieren abgebrochen.

Abhilfe schaffte letztendlich eine in die Grundplatte eingefräste Führungsnut. Da die Tiefe der Nut genau auf den gewünschten Durchmesser gefräst wurde, habe ich sehr exakt geschliffene Rundhölzer erhalten.

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Die Spieren werden durch je zwei Leesegelbrillen gehalten und mit ein paar Törns eines dünnen Taus auf der Rah fixiert. Die Metallbeschläge der Brillen sind mit schwarzer Pappe imitiert.

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Zeisinge

Bild: Historische Schiffsmodelle, Wolfram zu Mondfeld

Zur Zeit des Berlin gab es zum Bergen der Segel noch keine Reffbänder direkt an den Segeln.

Dafür waren an der Oberseite der Rahen Ösen angebracht, an denen kurze Taue - die Zeisinge - befestigt waren, mit denen die Segel unter die Rah gebunden werden konnten. Da diese nicht im Bauplan eingezeichnet sind, werde ich sie als Modifikation realisieren.

Wie man gut auf dem Bild wie auch am Museumsmodell der William Rex sehen kann, gab es dafür mindestens zwei Varianten: an den großen Unterrahen eine Öse mit zwei Ringen und an den anderen Rahen lediglich eine Öse.

Wie bei AN 261 beschrieben, setzte man an den Unterrahen acht bis zwölf, an den Marsrahen sechs bis acht und vier Zeisinge an den Bramrahen. Zu den Blinden findet man leider keine Informationen, bei der oben verlinkten William Rex sind aber auch dort Ösen vorhanden.

Für die Variante mit Ringen nehme zum Biegen der Ringe Blumenbindedraht aus dem Gartenfachmarkt. Dieser Draht ist schon brüniert und aus relativ weichem Material, sodass sich kleine Ringe sehr gut biegen lassen.

Die Ösen biege ich aus entsprechend abgelängtem Messingdraht mit Hilfe eines eingespannten Bohrerschafts. Dafür verwende ich einen Bohrerdurchmesser, doppelt so groß wie der Durchmesser des Ringdrahtes plus ein Zehntel Zugabe, sodass beide Ringe locker nebeneinander in der Öse liegen können

Abschließen werden die Ösen brüniert.

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Die Öse muss noch abgelängt werden. Die Enden der Öse werden später in die Rah "Träger" eingeklebt, nur so weit, dass sich die Ringe locker in der Öse bewegen lassen.

Mit Hilfe eines Sperrholzbrettchen mit entsprechender Dicke kürzt man die beiden Enden der Ösen, als Abstandshilfe für die Ringe nutzt man wieder einen Bohrerschaft.

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Zum Abschluss bohre ich noch Löcher in die Rah, in die die Ösen eingeklebt werden können.

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Scheibgatt für die Nockgordings

An der Vorderseite der Unterrahen sind zwei Scheibgatten für die Nockgordings aufgesetzt. Dazu wird eine Holzwange mit einer Seilscheibe direkt an der Rah verbolzt.

Dieses Detail fräse ich aus Vollholz und bohre ein Loch für den Bolzen.

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Nun noch die Bolzenaufnahmen an der Rah vorbohren, die Einzelteile zusammenfügen und die Großrah ist fertiggestellt.

Eine unerwartet hohe Detaildichte auf engstem Raum.

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Die beiden Unterrahen sind identisch aufgebaut und detailliert.

Auf die Besanrute wurde ein Lochbrett für die Spruten der Dirk aufgesetzt und verzurrt. Auf den Marsrahen und der Blinderah sind Ösen (ohne Ringe) für die Zeisinge angebracht

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Noch einmal im direkten Vergleich vorher/nachher:

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Blöcke angeschlagen

An den Unterrahen sind die Geitaublöcke der Untersegel und die Leitblöcke für die Schoten der Marssegel angeschlagen.

Die Marsrahen und Blinderah haben die Geitaublöcke ihrer Segel und Schotleitblöcke der Bramrahen, resp. Oberblinde erhalten.

An den Bramrahen und der Oberblinde mussten lediglich Geitaublöcke angebracht werden und die Besanrute wurde noch mit den Blöcken der Dempgordings vervollständigt.

Somit sind die Rahen fertiggestellt und klar zum Anreihen der Segel.

  • Unterrahen 
    Unterrahen
  • Marsrahen und Blinde 
    Marsrahen und Blinde
  • Bramrahen und Oberblinde 
    Bramrahen und Oberblinde
  • Besanrute 
    Besanrute

weiter geht es mit dem Betakeln der Segel...


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